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#CoronaKatechese zur #Erstkommunion

 

Wie dieses Angebot entstanden ist: die Coronakrise katechetisch deuten

Das Fest findet nicht statt.Foto: Peter Weidemann, (c) Pfarrbriefservice.de

Wenigstens zunächst einmal nicht: denn die Erstkommunion 2020 wird verschoben. Zumindest zum traditionellen Termin, dem weißen Sonntag (19.4.20) wird sie nicht stattfinden können. Für Erstkommunionkinder und ihre Familien ist das eine zusätzliche Belastung zur allgemein schon schwierigen Situation.

Die Verschiebung wirft viele Fragen auf und sollte unbedingt katechetisch gedeutet werden. Viele betroffene Familien aktivieren ausschließlich aus Anlass der Erstkommunion ihr kirchliches Leben. Sie lassen sich jetzt einmalig erreichen.

Inzwischen, zwei Wochen nach Beginn der Schulschließungen und Absage kirchlicher Veranstaltungen, sind etliche katechetische Angebote verfügbar. Die Auswahl ist für Verantwortliche daher groß. Sie reicht von eins zu eins digitalisiert ins Netz gestellten katechetischen Einheiten, die jetzt ausfallen müssen, neu entwickelten Vorschlägen für Gottesdienste, häusliche Gebete und Informationen zu biblischen Texten und kirchlichen Feiern bis hin zu interaktiven Materialien.

Diese #CoronaKatechsen sind aus der Erfahrung entstanden, dass nach der Absage der Erstkommunion rasch neue Erstkommuniontermine kommuniziert wurden, um den Eltern Planungssicherheit zu geben. Das war sicher gut gemeint. Das Angebot blieb aber zunächst frei von weitergehenden Gesprächs-, Deutungs- oder katechetischen Angeboten. Im Ergebnis drohte ein Konkurrenzkampf um die Fest-Ressourcen: wer als schnellster Gaststätte, Caterer oder Feierlokalität bucht, hat gewonnen. Zwangsläufig gehen andere leer aus, Unmut ist vorprogrammiert, unsolidarisches Verhalten auf jeden Fall naheliegend. Für das Verständnis des Sakraments der Eucharistie ist das absolut kontraproduktiv. Das geschilderte Handeln ist pastoral und katechetisch unverantwortlich.

Dieses katechetische Angebot wollte und will helfen, die kirchliche Aus-Zeit katechetisch zu gestalten. Die derzeitige Krisensituation wird für viele Menschen zu einer einschneidenden biographischen Erfahrung werden. Sie bringt damit aus sich heraus Bildungsprozesse hervor. Diese sollten unbedingt katechetisch unterstützt werden - für alle, die es möchten. Gerade mit Erstkommunionfamilien gibt es dafür eine Zielgruppe, die erreichbar, von ähnlichen Erfahrungen betroffen und offen für religiöse Bildungsangebote ist. Die Chance, mit diesen Menschen in Kontakt zu bleiben, kann genutzt werden.

Bedingt durch die aktuelle Situation handelt es sich bei diesem Projekt um ein work in progress! Alle Angaben werden regelmäßig aktualisiert und ergänzt.

Was dieses Angebot leitet: das (familien-)katechetische Konzept der #CoronaKatechesen

Jede Katechese verfolgt wenigstens implizit ein didaktisches wie auch theologisches Konzept. Die folgenden Hinweise geben Auskunft über einige handlungsleitende Ideen der #CoronaKatechesen.

Die Katechesen

  • ... sind familienkatechetisch angelegt. Es ist bekannt, dass Familienkatechesen zur Erstkommunion vergleichsweise am wirksamsten sind. Derzeit sind sie – abgesehen von Individualkatechesen – die einzig mögliche Form. Familienkatechesen sind dabei den Individualkatechesen unbedingt vorzuziehen: In der Familie kann religiöse Kommunikation und religiöse Praxis eingeübt werden. Beides ist in Einzelkatechesen nicht oder nur sehr schwer möglich.
    => Die katechetischen Impulse bieten Gesprächs- und Erlebnisanlässe, die die ganze Familie in den katechetischen Prozess verstricken.
  • ... sind niederschwellig digital. Derzeit erleben digitale Kommunikationskanäle auch in der Kirche eine Hochzeit. Sie katechetisch nicht zu nutzen wäre fahrlässig. Andererseits schließen digitale Kommunikationskanäle ungewollt Menschen aus, die Schwierigkeiten mit digitaler Kommunikation haben – weil nicht genügend Endgeräte zur Verfügung stehen, weil der Gebrauch nicht geübt ist, weil die zur Verfügung stehende Bandbreite nicht groß genug ist usf. Das Digitale verstärkt so tw. soziale Ungleichheiten.
    => Katechetisch müssen digitale Kommunikationen deshalb niederschwelling angelegt sein: Sie müssen auch von digital unerfahrenen Menschen genutzt werden können und sie müssen für Menschen, die nicht digital kommunizieren können, leicht durch andere Kanäle (Telefon, Brief) ersetzt werden können.
  • ... sind interaktiv. Katechese lebt vom Gespräch und vom Austausch. Einbahnkommunikation verbietet sich. Oder anders: Erklärvideos allein werden der Komplexität des katechetischen Anliegens nicht gerecht.
    => Die Katechese braucht den Rückkanal, der Selbstwirksamkeit, Austausch und das Erleben der in den digitalen Raum verlagerten Gemeinschaft (mit den anderen Kindern und Familien, mit den Verantwortlichen, mit der ganzen Gemeinde) ermöglicht. Die katechetischen Impulse fordern deshalb immer wieder dazu auf, in den Raum der Gemeinde hinein zu kommunizieren.
  • ... sind situativ: Sie greifen Erfahrungen auf, ermöglichen weitere Erfahrungen und deuten diese.
    => Die Katechesen müssen die bislang einmalige, biographisch prägende Situation aufgreifen und Deutungen ermöglichen. Sie sollen innerhalb diese Situation weitere Erfahrungen ermöglichen und auch für diese Erfahrungen Deutungen anbieten.
  • ... bilden Kirche. Steht tatsächlich die Eucharistie im Zentrum kirchlichen Lebens, ist jede Eucharistiekatechese und die Erstkommunionkatechese im Besonderen eine dieses Zentrum stärkende, die um dieses Zentrum versammelte Kirche stärkende (bildende) Katechese. Dieser Aspekt ist für die #CoronaKatechesen nur sehr schwer umzusetzen, ist diese Kirchenerfahrung derzeit und wohl noch über Ostern hinaus äußerst eingeschränkt. Liturgie wird mit großem Aufwand digital, diakonische Angebote sind oft auf wenige konzentriert. Erlebte und gestaltete Gemeinschaft und Lebensdeutung fallen – nach meiner Beobachtung – derzeit weitgehend aus.
    => Die Katechesen stärken Familien als ekklesialen Ort – wenigstens auf Zeit – und binden sie wenigstens rudimentär ein in die größere ekklesiale Gemeinschaft vor Ort.

Literaturhinweis: Um das zu gewährleisten, greife ich auf Ansätze zurück, die ich bereits für den Erstkommunionkurs "Auf dem Weg zur Erstkommunion" (Herder, Freiburg, 2017) entwickelt und intensiv erprobt habe: Die Angebote sollen Erfahrungen ermöglichen, Gesprächsanlässe bieten und deutungsoffen sein. Weitere Hinweise: M. Tomberg, Ein Geschenk für alle: Inklusive Erstkommunionkatechese, in: Bernd Willmes / Christoph G. Müller (Hgg.), Thesaurus in Vasis Fictilibus - "Schatz in zerbrechlichen Gefäßen" (2 Kor 4,7). Festschrift für Bischof Heinz-Josef Algermissen [Fuldaer Studien 22], Freiburg/Br. 2018, 514-529. Für die #CoronaKatechesen ergänzt werden die dort beschriebenen Grundideen um niederschwellige digitale Angebote.

Wie dieses Angebot weiter geht

Inzwischen (21.04.20) ist der Weiße Sonntag vorbei - ohne Gottesdienst, ohne Erstkommunion. Und die Kontaktverbote und Einschränkungen bei den Gottesdiensten gehen weiter - mit immer noch unabsehbarem Ende! Ob und wann in diesem Jahr überhaupt noch Erstkommunion gefeiert werden kann, ist fraglicher denn je. Die Luft ist raus. Ganz klar.

Für die katechetische Situation ist das extrem schwierig. Es gibt keine Erfahrungen, wie damit gut umgegangen werden kann. Ganz im Gegenteil: Die Erfahrung vielerorts ist ja, dass über kurz oder lang der Elan von Kindern und Familien erlahmt, wenn das große Fest vorüber ist.

In diesem Jahr ist die Durststrecke Programm. Deshalb können gerade Verantwortliche nach Wegen suchen, damit umzugehen, es anders zu machen als bisher, Neues zu erproben. Ich freue mich, wenn ich Ihnen da Impulse geben kann. Ob die "funktionieren", weiß ich ebenso wenig wie Sie. Aber einen Versuch ist es wert.

Deshalb gehen die #CoronaKatechesen weiter. Wenigstens zunächst. Denn in einigen Wochen steht ein Relaunch der Seiten der Theologischen Fakultät Fulda an. Bisher ist noch nicht klar, ob diese Seite mit dieser URL erhalten bleiben kann. Bis dahin versuche ich aber, dieses Angebot aufrecht zu erhalten.

Materialien zum Download:

Fortsetzung folgt!

Fragen, Rückmeldungen, Anregungen, Erfahrungsberichte: tomberg@thf-fulda.de

Foto: Peter Weidemann, (c) Pfarrbriefservice.de

 

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